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8
Im neunten Jahrhundert von den slawischen
Pomorzen gegründet, war Danzig im dreizehnten Jahrhundert mit 10.000
Einwohnern schon fast eine Großstadt. Die Herzöge Pommerellens
holten Menschen aus dem Westen, und zwar vorwiegend aus deutschen Landen,
zum Aufbau von Wirtschaft und Hafen. Zur Christianisierung wurden sowohl
deutsche Zisterzienser als auch polnische Dominikaner ins Land gerufen.
1410 ist Danzig endlich den militärisch
organisierten Ritterorden los und verbindet sich mit Polen, dessen König
Jagiello
es die Treue schwört. Seitdem schwebt über den zwei Kreuzen des
Das Nationalgefühl der Polen war zu jener Zeit, nach einem Vierteljahrtausend völliger Unterdrückung, wohl noch stärker entwickelt, als das deutsche. Hatten die Danziger 1919, damals noch als Teil Deutschlands, mit 41% links (Sozialdemokraten und Kommunisten), und nur zu 37% rechts (Deutschnationale und nationale Splitterparteien), gewählt, so war es bei der ersten Wahl zum Danziger Volkstag umgekehrt. Die Rechte gewann fast 50%, die Linke nur ungefähr 33%. Das Zentrum mit seinen 15% spielte, wie übrigens auch im deutschen Reichstag, bis zur nationalsozialistischen Machtübernahme stets die Kraft, ohne die man keine Regierung bilden konnte. So gehörten dem Danziger Senat immer Mitglieder des Zentrums an. Selbst bei den Volkstagswahlen 1933, bei denen die Nazis bereits fast 60% der Stimmen bekamen und damit das ganze rechte Parteispektrum aufgesogen hatten, blieb das Zentrum mit über 10% immer noch die drittstärkste Partei. Doch da war mein Vater schon aus der Regierung ausgeschieden. Praktisch hatten die Nazis bei der Volkstagswahl am 28. Mai 1933 die Regierung übernommen. Der neue Senatspräsident war Hermann Rauschning. Dem Senat gehörten damals noch drei Zentrumssenatoren an, von denen einer ursprünglich Wierschinski-Keiser, dann nur noch Wiers-Keiser und schließlich, als er - von einem Gespräch mit dem Führer tief beeindruckt - zur NSDAP übertrat, nur noch Keiser hieß. So einfach trennte man sich damals von der slawischen Herkunft. Der Parteiwechsel kostete ihn die Freundschaft vieler seiner Glaubens- und Parteifreunde, lediglich meine Mutter hatte da Schwierigkeiten. Er war nämlich ein 'schöner Mann', und einem schönen Mann konnte meine Mutter vieles verzeihen. |
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